Palmöl

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Palmöl hat keinen guten Ruf, denn für neue Plantagen werden Regenwälder und Torfmoore zerstört, Landrechte nicht beachtet und soziale Mindeststandards für Arbeiter sind oft nicht vorhanden.

Dennoch ist Palmöl kein „böses“ Öl. Der Ertrag von Ölpalmen ist unschlagbar hoch. Jede andere Ölpflanze benötigt mehr Fläche, z.B. Soja 6 Mal so viel, um den gleichen Ertrag zu erzielen. Pro Hektar Fläche erzielt Palmöl um die 4 Tonnen Öl, Raps und Sonnenblumen maximal 1-2 Tonnen Öl, Kokospalmen nur 0,77 Tonnen. Als einzige Nutzpflanze produziert Palmöl außerdem zwei verschiedene Öle, die für die Industrie wichtig sind: Palmöl aus dem Fruchtfleisch und Palmkernöl aus den Kernen. Durch den hohen weltweiten Bedarf an Ölen hätte der Anbau anderer Alternativen sicherlich kurz oder lang die gleichen Probleme, wenn nicht sogar größere (z.B. Regenwaldrodung für den Sojaanbau).

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Copyright: WWF

Quelle: http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/palmoel/infografik-pflanzenoel-braucht-flaeche/

Seine chemische Eigenschaft bei Raumtemperaturen noch fest zu sein (keine chemische Härtung notwendig), seine Geschmacksneutralität, die Hitzestabilität, die lange Haltbarkeit und der günstige Anbau steigern die Beliebtheit dieses billigen Rohstoffes bei den Lebensmittelproduzenten. Und gerade bei unserer wachsenden Weltbevölkerung und dem wirtschaftlichen Wachstum von Ländern wie China und Indien und deren steigender Nachfrage nach Lebensmitteln ist die Palmölpalme mit ihrer hohen Ertragsleistung pro Fläche eine gute Wahl.

Ich glaube nicht, dass wir Palmöl generell in unseren Lebensmitteln stoppen können. Aber wir als Verbraucher sind gefordert nur solche Produkte zu kaufen, die aus nachhaltigem Anbau kommen. Somit lässt sich die Zerstörung der Umwelt durch die Konzentration auf bestehende Plantagen und Flächen vielleicht aufhalten. Zertifizierungen und der erhöhte Bedarf an nachhaltig produziertem Palmöl kann dann auch Regierungen dazu ermutigen endlich mehr für den Umweltschutz in ihren Ländern zu unternehmen und Gesetze, die bisher nur auf dem Papier existieren, auch endlich in der Praxis durchzusetzen.

Was wir jedoch auf jeden Fall tun können: Kein Biosprit kaufen! Jüngste Zahlen zeigen, dass 61% der Palmöl Importe in der EU in den Autotanks landen. In Deutschland ist der Preisunterschied 2 Cent pro Liter. So viel sollte unser Planet uns wert sein! Hier ein interessanter Artikel über Palmöl in Biosprit: https://www.regenwald.org/news/7284/palmoel-1

 

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Copyright: Rainforest Rescue

Was ich bisher nicht wusste: Unsere Gesundheit kann durch den übermäßigen Verzehr von Palmöl beeinträchtigt werden. Palmöl hat um die 50% gesättigte Fettsäuren. Im Vergleich: Kokosnuss (92 %), Palmkerne (84 %), Butter (66%), Kakaobutter (62 %) und Talg (54 %). Nestlé schreibt lapidar: „Nur ein übermäßiger Verzehr an gesättigten Fettsäuren kann sich negativ auf den Blutfettspiegel auswirken.“ Aber genau das ist ja das Problem: Palmöl ist mittlerweile fast überall enthalten, so dass wir es dauernd zu uns nehmen und nicht nur bewusst bei einem bestimmten Produkt. Durch die Kennzeichnung von Lebensmitteln können wir Verbraucher jetzt in Deutschland sehen wo über Palmöl drinsteckt. Und ganz ehrlich ist bei vielen Produkten meiner Meinung nach das Palmöl total überflüssig, z.B. im Gelierzucker von Dr. Oetker, weil es die Schaumbildung unterdrückt. Mehr dazu in meinem Post hier.

Zertifizierungen

Der RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil“ ist meines Erachtens zu schwach, da er sich auf absolute Mindeststandards eingelassen hat, um alle Mitglieder ins Boot zu holen.

Da ist der POIG (Palm Oil Innovation Group) schon weiter, da er auf den RSPO aufsetzt und weitere, höhere Standards, z.B. Verbot von giftigen Pestiziden, keine Umwandlung von Torfböden in Plantagen, Verwendung von ehemaligen Weideflächen und Baumwollfelder (keine Regenwaldrodung).

Das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) ist ein Zusammenschluss aus Unternehmen, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen mit dem Ziel, den Anteil von segregiertem, zertifiziertem Palmöl aus nachhaltiger Produktion im deutschen, österreichischen und Schweizer Markt signifikant zu erhöhen und möglichst schnell 100% zertifiziertes Palmöl für diese Märkte verfügbar zu machen.

Quellen

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